Freiheit

Quelle: Pixabay

„Der Mensch ist frei geboren,
und wird doch überall in Ketten gelegt“
(nach Jean-Jacques Rousseau)

Diesen Spruch hörte ich neulich in einer Reportage über die Französische Revolution.

Und genau dieser Spruch hat mich nicht mehr los gelassen:
Ich habe mir schlicht die Fragen gestellt:
Wer legt uns denn in Ketten?
Wie kommt es dazu, dass wir uns in Ketten legen lassen?
Was ist der Grund dafür, dass wir die Ketten nicht einfach abnehmen?

Zur Frage „Wer legt uns denn in Ketten?“ habe ich für mich eine sehr einfache Antwort gefunden: Ich lege mich selbst am liebsten in Ketten. Ich lege mich in die Ketten, überall gemocht zu werden. Ich lege mich in die Ketten, nicht anzuecken. Ich lege mich in die Ketten, so zu sein, wie andere mich haben wollen.
Also bin ich selbst mein bester Sklaventreiber? Hm, ja, wenn ich ehrlich bin: Genau so ist es.
Was passiert, wenn ich manche Ketten einfach aufsprenge, mich nicht mehr daran halte? Halte ich das durch? Interessanterweise spielt bei mir dann oft gleich nach Sprengung der Ketten das schlechte Gewissen eine große Rolle. Noch so etwas, das ich mir selbst auferlegt habe.
Ich sprenge beispielsweise die Ketten, nicht immer und überall gleich verfügbar zu sein. Und habe ein schlechtes Gewissen, wenn mich Mann, Mama, Chef, … eben genau dann nicht erreichen.
Wie ist es also mit den Ketten? Ich lege sie mir selbst an.

Und damit komme ich zu dem Punkt, „wie kommt es dazu, dass wir uns in Ketten legen lassen?“. Teilweise habe ich das ja oben bereits beantwortet. Weil ich gemocht werden will. Weil ich anerkannt werden will. Das sind jetzt meine persönliche Ketten. Jeder hat seine Ketten. Und ich ziehe den Hut vor jedem Menschen, der seine Ketten abgelegt hat und so frei ist, wie er geboren wurde!
Meine persönlichen Ketten benötige ich nur deshalb, weil ich selbst genau das nicht tue. Mag ich mich selbst und erkenne ich mich selbst an – dann brauche ich genau das von Außen nicht mehr. Die Ketten können abgenommen werden.

An sich beantwortet es ja jetzt schon ganz einfach die Frage, „was ist der Grund dafür, dass wir die Ketten nicht einfach abnehmen?“. Wir lassen uns selbst gefangen halten, in dem was wir uns als Konstrukt aufgebaut haben. Gesellschaftlich. Privat. Als Werte, die uns mit gegeben worden sind. Wir selbst sind die Erschaffer und Schöpfer der Welt, in der wir leben. Wir selbst können unsere Welt ändern oder sie annehmen wie sie ist. Ändern kann langsam und leise geschehen, oder auf einen Schlag, das ist uns selbst überlassen.

Ich stelle bei mir zur Zeit fest, dass ich mich in meine Ketten habe legen lassen. Oder ich mich selbst in Ketten gelegt habe, mir selbst die Freiheit genommen habe. Wir sind aber immer frei. Immer. Nicht nur die Gedanken, wir komplett sind frei. Ich bin frei.

Freiheit, ein großes Wort. Wir streben nach Freiheit. Und sie ist schon längst da. In uns.

©Sabine Kupfer
https://www.sabine-kupfer-mediation.de

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