Der Ablauf einer Mediation ist ein klar strukturierter Prozess

Stell Dir vor Du hast für Dein bzw. Euer Anliegen den perfekten Mediator oder die perfekte Mediatorin gefunden. Du weißt also, zu wem du gehen willst und der erste Termin ist ausgemacht.

Doch wie geht es denn jetzt weiter, wenn der Termin steht? Was kommt auf Dich und Euch zu? Ihr seid aufgeregt, nervös, schließlich geht es um ein heikles Thema: Euren Konflikt und Euren Umgang miteinander.

Was passiert nun also und wie ist der weitere Ablauf?

Phase 0: Vertrauensaufbau: Das erste gemeinsame Gespräch

Eines der wichtigsten Dinge ist das Vertrauen. Gerade wenn es um Deinen Konflikt geht, um das Thema das Dich und Deine Konfliktpartner und -partnerinnen vermutlich schon lange beschäftigt, ist das unabdingbar. Darum biete ich zu allererst 30 Minuten als kostenfreies Kontakt- bzw. Kennenlerngespräch an. Hier kannst Du für Dich klären, ob ich wirklich zu Dir und Deinem Anliegen passe – und die andere Konfliktpartei kann das ebenso.

Ich weiß, dass viele meiner Mediations-Kolleginnen und -Kollegen das genauso machen. Die ersten Kontaktgespräche sind mal länger mal kürzer.

Ich führe vor Beginn des Mediationsgeschehens keine Einzelgespräche mit den jeweiligen Konfliktparteien. Im Unternehmen führe ich vorab Gespräche mit denjenigen, die mich beauftragt haben. Das sind beispielsweise die Chefs oder häufiger Personalabteilungen und Betriebsräte. Einzelgespräche können jedoch später im Zuge des Mediationsablaufs folgen.

In diesen 30 Minuten geht es noch gar nicht um die Konfliktvermittlung. Es geht darum, dass Du noch Fragen stellen kannst. Darum nimm alle Fragen, die Du hast mit.

Ich beschreibe, wie wir zusammenarbeiten und welchen Prinzipien wir während des Mediationsgespräches folgen.

Außerdem frage ich ab, ob alle wissen „was Mediation ist“. Und ich prüfe, „ob das wohl das richtige Verfahren ist“ – hier zitiere ich meine Lehrerinnen Doris Morawe und Jutta Hohmann. Das erfahre ich, indem ich Euch frage, was Ihr von der Konfliktvermittlung erwartet und was Ihr Euch davon erhofft.

Folgende Prinzipien sind Grundlage für das Gespräch:

  1. Freiwilligkeit: Das heißt, dass die Teilnahme an einer Mediation freiwillig ist. Die Mediation kann jederzeit abgebrochen werden.

  2. Eigenverantwortung / Autonomie: Alle Beteiligten sind für ihre Handlungen selbst verantwortlich.

  3. Offenheit: Alle für die Konfliktklärung wichtigen Informationen kommen auf den Tisch.

  4. Allparteilichkeit: Als Mediatorin widme ich mich allen am Konflikt beteiligten Personen gleichermaßen.

  5. Vertraulichkeit: Als Mediatorin unterliege ich der Schweigepflicht. Die Konfliktparteien treffen zur Einhaltung der Vertraulichkeit ihre eigenen Regelung. Das ist bereits Teil der Mediation.

Auch gehe ich auf die Kosten ein. Meine Anregung ist, dass die Kosten zu gleichen Teilen von allen Konfliktparteien getragen werden.

Das ist für Euch sinnvoll, damit Ihr wisst: Jeder trägt zur Klärung bei. Das fördert gleichzeitig die gegenseitige Wertschätzung, die gemeinsame Verantwortung an dem Geschehen und die Freiwilligkeit.

Zu den Kosten gibt in Kürze es einen weiteren Blog-Beitrag.

Phase 1: Es geht los: Grundlegende Prinzipien werden vereinbart

Nach dem Kennenlernen beginnt dann das eigentliche Mediationsgespräch. Keine Sorge, ich weise immer in den Gesprächen darauf hin: „so wir fangen jetzt an“. Manchmal variiert es auch ein wenig mit dem eigentlichen Anfang. Weißt Du, diese Gespräche sind ein Prozess der zwar klar strukturiert ist, jedoch in seinen Formen durch aus auch mal die eine oder andere Veränderung erfahren darf.

 

Ich finde das sehr wichtig, dass es nicht immer genau gleich abläuft. Jeder Mediant und jede Mediantin der und die zu mir kommt, ist ja auch ein ganz anderer Mensch. Daher brauche ich manchmal für das Eine länger und für das Andere etwas weniger Zeit. Das ist vollkommen in Ordnung so.

 

Gehen wir also davon aus, Ihr habt Euch nach dem Kennenlernen dazu entschieden bei mir weiter zu machen. Dann fangen wir nun mit der eigentlichen Konfliktklärung an.

Ich starte damit, dass ich mit allen Beteiligten die Prinzipien, die ich im am Anfang erklärt habe, in einem gemeinsamen Arbeitsbündnis festhalte. Ich habe das immer schon vorbereitet dabei und wir können gemeinsam Punkte anpassen.

 

 

Das ist eines der ersten Schritte im eigentlichen Mediationsablauf: Denn wir gehen das miteinander an. Alle stimmen zu. Alle dürfen etwas dazu beitragen. Jede und jeder darf und soll seine Bedenken äußern. Erst wenn alle mit einem klaren „Ja!“ zugestimmt haben, gehen wir weiter.

 

Aus welchem Grund ist das Arbeitsbündnis so wichtig? Es ist für alle Beteiligten eine Art Sicherheit, denn sie zeigt allen: Hey wir haben uns gemeinsam auf die ersten Dinge geeinigt!

Das ist für Euch auch eine Art Zeichen: Ja, eine grundsätzliche Einigung ist zumindest hier schon mal möglich. Selbstverständlich erwähne ich an diesem Punkt laut und deutlich, dass hier ein erster gemeinsamer Schritt passiert ist. Wenn Du gemeinsam mit Deinen Konfliktpartnern das schaffst, hast Du einen wichtigen Schritt in Deine und Eure Zukunft gemacht. Ihr könnt erkennen: Gemeinsame Abschlüsse sind möglich.

Das Arbeitsbündnis regelt also:

  • Das gemeinsame Miteinander.
  • Wie die Kommunikation ablaufen wird.
  • Mit wem Ihr außerhalb der Mediation über das Verfahren reden dürft.
    (Viele meiner Medianten vereinbaren hier, dass nichts nach außen gehen soll.)
  • Die Bezahlung der Mediation.
  • Je nach Fall ist es möglich, dass ich schon zu Beginn darauf hinweise, dass am Ende eine rechtliche Beratung notwendig ist. Bei Erbschaften oder Nachbarschaftsstreitigkeiten kann das notwendig sein, denn ich bin keine Anwältin, die die rechtliche Seite prüfen kann.

Das Arbeitsbündnis ist im Grundsatz immer ähnlich, jedoch variiert es in den Ausformulierungen.

 

Ich weiß von einigen Kollegen und Kolleginnen, dass sie das Arbeitsbündnis gleich zu Anfang im Kennenlerngespräch bearbeiten. Ich denke, da kann das Vorgehen im Kleinen variieren. Allerdings machen alle Kolleginnen und Kollegen, mit denen ich Kontakt habe, ein Arbeitsbündnis, um alle notwendigen Einzelheiten festzuhalten.

 

Im beruflichen Umfeld stelle ich die Prinzipien und Verhaltensregeln in der Regel auf einer Folie dar und lasse alle das Protokoll abnicken. Weshalb? Hier brauche ich kein Arbeitsbündnis per se, da sich die Konfliktparteien über das Protokoll zum Prozess einigen.

 

Ich selbst halte mich hier an die Ablaufstrukturen, die ich von meinen zwei Dozentinnen Doris Morawe und Jutta Hohmann kennen gelernt habe. Auf diesem Weg danke an zwei ganz tolle Mediatorinnen von den ich so so so viel lernen und mitnehmen durfte.

 

Nun geht es langsam in die zweite Phase über…

Phase 2: Die Mediation nimmt an Fahrt auf: Die Themen des Konfliktes werden benannt

Der Übergang in die zweite Phase ist nicht abrupt, sondern es geht darum dass wir erst einmal nachsehen, um welche Themen es denn genau geht. Was ist der Konflikt? Wodurch kam der zustande? Wie ist die einzelne Sicht der verschiedenen Parteien auf die Situation?

 

Auch hier gehe ich auf alle Beteiligten gleichermaßen ein. Jede und jeder bekommt seinen Redeanteil. Welche Methoden ich anwende lasse ich offen, das entscheide ich in der Regel spontan. Wichtig ist jedoch, dass alle Themen, die dran sind, notiert werden: Auf einem Flipchart oder online auf einem Whiteboard. Das ist für Dich und für die am Geschehen beteiligten sehr wichtig: Es schafft Transparenz und jeder kann sehen, welche Themen der einen oder anderen Person wichtig sind.

Hier gehe ich auch schon auf die unterschiedlichen Gefühle und Bedürfnisse ein. Verständnis füreinander ist das A und O in einer Mediationsarbeitsweise. Und das kann ich nur erreichen, wenn ich allen Beteiligten gleichermaßen zuhöre und wertschätze. Das ist übrigens das, was unter Allparteilichkeit verstanden wird.

 

Und nun wird auch klarer, weshalb das alles vertraulich ist: Dadurch dass Du und alle anderen im Raum wissen, dass alles im Raum bleibt, öffnet sich eine ganz andere Möglichkeit zu reden und laut zu denken.

 

Ich habe häufig außerdem festgestellt, dass eine ganz andere Atmosphäre entsteht, wenn ich das Gespräch untereinander erst einmal unterbinde, und jede Person nur mir erzählt, was gerade los ist. Doch etwas geschieht hier: Denn alle hören ja zu.

Die Themen sind ebenso unterschiedlich, wie auch die Auseinandersetzungen unterschiedlich sind. In Familien geht es häufig darum, wie die gemeinsame Kommunikation geregelt werden kann. Oder auch, wie mit unterschiedlichen Anforderungen umgegangen werden soll.

 

Da ich mich in Familien auf das Thema Krankheiten und Essstörungen fokussiert habe (mehr Infos zu Sabine Kupfer), geht es bei mir häufig darum, wie miteinander umgegangen werden kann. Oder wie beispielsweise Pflege geregelt wird, wie der Umgang mit allen Kindern gestaltet werden kann, wenn eines erkrankt ist.

 

Doch wichtig für Dich zu wissen ist:
Du wirst gehört und die Gegenseite wird genauso gehört.

Es geht hier nicht darum, wer hat recht und wer ist schuld, sondern dass alle Seiten ihre ganz eigene Sichtweisen haben. Auch bei den Themen. Deshalb werden alle Themen aufgeschrieben.

 

Gemeinsam wird nun besprochen, welches der Themen als erstes besprochen wird. Jedes Thema durchläuft die nun folgenden Phasen einzeln.

 

Und dann geht es in jedem Thema darum, zu klären, welcher konkrete Sachverhalt dahinter steckt.

 

Und das nächste Prinzip wird nun klar: Offenheit. Denn es müssen alle Informationen quasi auf den Tisch gelegt werden. Verheimlichen nutzt hier wenig für das weitere Fortkommen. Zum einen, weil es den Prozess insgesamt gefährdet und – interessanterweise – meistens irgendwann eh ans Licht kommt. Und logischerweise gibt es auch bei der Klärung des Sachverhaltes so viele Sichtweisen, wie es Teilnehmende an der Mediation gibt. Das ist normal – denn genau darum geht es ja.

 

Die Ermittlung der Themen und der Sachverhalte kann durchaus auch einiges an Mediationszeit dauern. Das hängt natürlich auch von der Konfliktgröße ab.

Phase 3: Das Kernstück wird entdeckt: Die wirklichen Hintergründe des Konflikts

„Jetzt geht es an das Eingemachte“, sagt meine Mutter immer, wenn es tiefer geht.

 

Jetzt dürfen die unterschiedlichsten Positionen von jedem und jeder Beteiligten genannt werden. Ich leite den weiteren Ablauf gerne damit ein, indem ich nach dem Wunsch frage, wie das Thema denn am liebsten gelöst werden sollte.

 

Stelle Dir einfach vor, Du sitzt gemeinsam mit den anderen Beteiligten bei mir und ich frage Dich: „Wenn nun eine Fee vorbei käme, Du hättest genau einen Wunsch frei: Wie würde dieser Wunsch in Bezug auf die Konfliktlösung aussehen?“

Das ist die Feenfrage, die vermutlich jede Mediatorin und jeder Mediator auf die eine oder andere Weise stellt.

 

Ich finde es wichtig und zielführend, wenn Du und jede und jeder Mitstreitende klar seine Wünsche, Positionen und mögliche Lösungen sagen darf. Das ist wichtig und genau darum ist der Rahmen vertraulich.

 

Manchmal braucht es Zeit, um die Wünsche herauszukitzeln.

Gerade bei mir, wo es um Krankheit geht, ist es für einen Teenager schwer zu sagen:
„Ich möchte, dass die Krankheit vom Papa weg ist.“

Oder: „Ich möchte, dass gesehen wird, dass ich auch da bin.“

Und ja, selbst wenn klar ist: Die Krankheit geht dadurch nicht weg, ist doch der Wunsch da – und der beeinflusst alle weiteren Gefühle und damit auch Bedürfnisse.

Doch nun wurde das Thema in der Familie einfach mal benannt – und damit kann hier eine Art Heilung entstehen. Siehe hierzu auch die Hinweise auf der Seite Familien-Mediation.

Und habe bitte keine Angst, wenn Du gerade nicht weißt, was Deine Positionen sind! Ich führe Dich da durch, höre Dir zu und wir finden das gemeinsam raus. Und genauso bei allen anderen Konfliktbeteiligten.

 

Weshalb ich das mache? Es hilft im Verfahren, wenn gegenseitig klar ist, wer sich was erhofft.

 

Ich halte ja bei dem Wunsch nicht an: Ich frage weiter. Es geht hier durchaus tief. Und hier geht es auch darum, dass Gefühle gezeigt werden dürfen. Darum ist ja – ich sage es nochmal – der vertrauliche Rahmen so wichtig, genauso wie die gegenseitige Offenheit. Hier entsteht ein Raum, der alles zeigen darf.

Es geht hier auch nicht darum, dass Du den anderen von Deiner Sichtweise überzeugen musst. Es geht darum, dass Ihr Euch erst einmal gegenseitig hört. Das Ihr versteht, was die Bedürfnisse und Gefühle der anderen beteiligten Personen sind.

 

Dazu wiederhole ich auch in den Sozialen Medien immer wieder einen Satz:
Die Sichtweise und Bedürfnisse des anderen zu verstehen heißt nicht, dass Du alles genauso sehen musst.
Es heißt nur, dass Dir bewusst wird, dass hinter dem Thema nach wie vor ein Mensch steckt – der in einer Beziehung zu Dir ist. Du erkennst einfach nur an, dass der oder die andere auch Bedürfnisse hat.

 

Darum sind die Bedürfnisse und Gefühle so wichtig in diesem Punkt. Faszinierend ist, dass sich hier häufig Momente auftun, die zeigen: Das Streitthema ist nur ein Mittel zum Zweck – es geht eigentlich um eine ganz andere Geschichte. Ich, die KonfliktPiratin, nenne es auch gerne: Den Schatz bergen, der verborgen am Meeresgrund lag.

 

Aus dieser Erkenntnis baut Ihr Eure eigenen Lösungen. Immer in dem Wissen: Es kann nur Lösungen geben, die für Euch alle passen.

Phase 4: Verstehen als Basis: Entwicklung möglicher Lösungen

Wenn Du anfängst, den anderen zu verstehen, ist das unendlich erleichternd. Denn Du hast nun eine Basis gemeinsam mit der anderen Partei: Verständnis füreinander. Daraus können nun die Lösungen entwickelt werden.

 

Ich mache das, indem ich alle zu einem Brainstorming einlade. Online nutze ich dazu ein Brainstorming-Tool. In einer Mediation vor Ort nutze ich gerne ein Flipchart.

 

Auch hier ist wieder wichtig: dass Du und Ihr für alle Ideen offen seid. Alles was kommt darf gesagt werden. Und: auch die Wünsche, die bei der „Feenfrage“ genannt wurden, kommen hier rein. Schön ist, dass es hier trotz allem zu gemeinsamen Lachmomenten kommen kann: Denn ich erlaube allen Ideen ihren Raum.

So hat ein Ehemann mal als Lösung vorgestellt: Er stellt ein Forschungsteam an, das alle Möglichkeiten zur Dystonie erforscht, damit diese Krankheit komplett geheilt werden kann.

Ja, das ist eine mögliche Lösung und allen war klar, dass die Mittel dazu nicht vorhanden sind. Doch mit der Äußerung dieser Lösung wurde der Bann gebrochen: Alle haben auch gefühlt unsinnige Sachen gesagt, die notiert wurden. Das ist beim Brainstorming wichtig: Sich nicht davon beirren lassen, ob etwas möglich ist oder nicht! Einfach mal raus.

Lösungen entstehen dann, wenn gefühlt alles offen ist, um wirklich alles sagen zu dürfen.

Wer weiß, ob etwas, das wir als unsinnig erachten, nicht doch einen Kern enthält, der möglich ist. Darum geht es.

 

Natürlich kommen hier auch wieder Momente, in denen klar wird: die Situation erfordert nach wie vor Kraft und Einsatz und Glaube an Veränderungen.

 

Wenn alle Ideen zur Lösung gesammelt sind, wenn wirklich nichts mehr kommt, dann gehe ich gemeinsam mit allen Medianten an die Bewertung.

Ich benutze hier gerne die Einstufungen, die Doris Morawe und Jutta Hohmann mir gezeigt haben:

Kategorien wie

  • „gut denkbar“,
  • „denkbar“,
  • „schwer denkbar“,
  • „gar nicht denkbar“.

 

Und die Kriterien richten sich selbstverständlich nach den Bedürfnissen, die in der vorigen Phase herausgearbeitet worden sind.

Wenn es bei den Lösungen stockt, dann gehe ich einfach nochmal mit allen Beteiligten in die vorige Phase zurück. Das kündige ich nicht an, das passiert dann quasi automatisch. Die Phasen sind für Dich als am Verfahren beteiligte Person und für mich als Mediatorin etwas ähnliches wie ein Auffangnetz. Es geht immer wieder zurück, bis der „Aha-Moment“ da ist.

Die Lösungen werden gemeinsam gefunden. Eine Lösung in der Konfliktvermittlung kann wirklich nur eine Idee sein, die alle befürworten. Wenn eine oder einer dabei ist, der oder die sagt: „Hm, bin ich mir nicht sicher“, ist das keine Lösung.

Wenn mögliche Lösungen gefunden wurden und miteinander auf Augenhöhe alle einverstanden sind, ist das ein Gefühl, wie wenn ein Stein von Herzen fällt: erleichternd, glücklich, hoffnungsfroh.

Phase 5: Der Abschluss: Gemeinsame Regeln werden vereinbart

Zum Abschluss kommt es im Mediationsverfahren mit einer Vereinbarung. Das heißt, eine gemeinsame Vereinbarung wird aufgesetzt und unterschrieben.

Bei rechtlich relevanten Themen wird eine Art Vor-Vereinbarung zunächst schriftlich festgehalten. Mit dieser bitte ich Dich und alle Konfliktbeteiligten, einen Anwalt zur rechtlichen Klärung hinzuzuziehen. Da ich selbst keine Rechtsanwältin bin, möchte ich sicherstellen, dass jede und jeder von Euch rechtliche Beratung sucht und erhält, was Euren eigenen Vertrag angeht. Das empfiehlt sich bei Erbschaftsthemen, Scheidung, Trennung und Nachbarschaft.

 

In den Familienmediationen die ich vorrangig begleite, geht es häufig darum, wie das Miteinander gestaltet wird. Jedoch hat dies durchaus auch schon zu Erbschafts-Vorklärungen geführt. Dieser Teil wurde dann rechtlich durch Rechtsanwälte begleitet. Die Regelungen zur allgemeinen Kommunikation haben wir innerhalb der Familie gelassen.

In Konfliktvermittlungen in einer Firma gehe ich etwas anders vor: Auch hier gibt es selbstverständlich gemeinsame Vereinbarungen, die von Dir und allen Beteiligten angenommen und sozusagen abgenickt werden. Hier habe ich in Teammediationen schon gemeinsam eine Metaplantafel gestalten lassen, auf der die gemeinsam erarbeiteten Vereinbarungen festgehalten waren.

 

Zum Abschluss bitte ich immer nochmal um ein kurzes Gespräch. Einen gemeinsamen Abschluss zu gestalten hilft in die Zukunft zu sehen, und das was war anzuerkennen, doch loszulassen. Diese Vorgehensweise habe ich mir von vielen meiner Kolleginnen und Kollegen abgeguckt: Sie rundet das Verfahren ab.

Der Mediationsablauf ist zu Ende: Alle haben gewonnen, keiner verloren

Als ich das erste Mal als Teilnehmende an einem Mediationsgespräch dabei war, habe ich etwas gemerkt, das ich für mich als Magie bezeichne: Es war nicht mehr wichtig, ob ich gewinne, es war wichtig, dass ich mit den anderen weiterhin zusammenarbeiten kann.

 

Wenn Du an einer Konfliktklärung teilnimmst, merkst Du, dass alle Menschen hinter einem Thema eines sind: Personen, die selbstverständlich Bedürfnisse haben und zum fühlen fähig sind. Und die aufgrund ihrer eigenen Geschichte verschiedene Wege gewählt haben.

 

Es eröffnet den Blick auf andere Möglichkeiten.

Ich verspreche Dir: Wenn Du das einmal erfahren hast und mit erlebt hast, gehst auch Du Konflikte in der Zukunft anders an.

Es geht nicht mehr um den Wettkampf im Konflikt. Es geht nicht darum, wer vor Gericht die besten Argumente sammelt. Es geht um etwas viel größeres und wertvolleres:

Deine Zukunft mit dem oder der anderen im Konflikt. Die Zukunft mag aussehen wie sie will: eine Lösung kann auch sein, dass Ihr Euch einigt, dass Ihr Euch nie wieder sehen wollt. Doch dann habt Ihr das beide für Euch entschieden. Und dann ist das für Euch beide gut und in Ordnung.

 

Konflikte sind immer eines: Ein Zeichen, dass etwas so wie es jetzt ist, nicht passt.

Und mit einer Konfliktvermittlung hast Du für Dich einen Schritt dahin gemacht, dass Du Deinen Weg da raus findest. Und das Miteinander auf Augenhöhe mit Deinen Konfliktpartnern.

Kontakt zu mir

Quellen

Die oben geschilderten Erlebnisse sind meine eigenen.

 

Natürlich ziehe ich für meine Arbeit immer wieder auch verschiedene Bücher zu Rate. Hier diejenigen, aus denen ich für mich meine Art zu mediieren entwickelt habe:

  • Doris Morawe: Mediation und Gesundheit, ISBN 978-3662546451
  • Jutta Hohmann, Doris Morawe: Praxis der Familienmediation, ISBN 9783504654023
  • Karl-Heinz Risto: Konflikte lösen mit System, ISBN 978-3-87387-545-6

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